Es folgt ein längerer Bericht über das Abenteuer Hinterachsdifferentialsperre, welches Horst und Ich nach langer Zeit des Überlegens und auch Sparens nun letztes Wochenende abgeschlossen haben.
Horst liebäugelte ja schon seit einigen Jahren mit einer 100% Sperre für die Hinterachse in seinem Niva und als er im Technikforum detaillierte Fragen stellte, dachte ich mir, oh, jetzt wird es ernst, vielleicht können wir ja das Projekt zusammen durchziehen.
So kam es auch. Durch einige Recherchearbeit vorab kam heraus, dass der Markt an manuell zuschaltbaren 100% Differentialsperren für den Niva recht übersichtlich ist. Letzt endlich gibt es nur noch 2 Anbieter für 100 % Differenzialsperren. Die eine Sperre von Offroad Products und die andere von Protrack, einer kleinen Firma aus Griechenland, die sich auf Sperren und Getriebeteile für Geländefahrzeuge spezialisiert hat. Da Horst dort bereits gute Erfahrung mit seiner kürzeren Untersetzung für das Verteilergetriebe im Niva gemacht hat und die Sperre auch preislich attraktiv ist, fiel unsere Wahl auf Protrack.
Aufgrund der ungenauen Angaben, welche Änderungen ab wann genau im Hinterachsdifferential beim „M“ vorgenommen wurden, bestellten wir 2 Differentiale in der „alten“ Ausführung. Schon im Vorfeld hatten wir Olaf Vogel informiert und natürlich sollte er auch den Einbau der Sperre in die Differentiale übernehmen. Es sollte ein Tausch der Hinterachsdifferentiale „alt“ gegen “neu“ erfolgen. Somit waren wir auf der sicheren Seite.
Die Lieferung aus Griechenland traf eine Woche nach Bestellung und Bezahlung mittels PayPal gut verpackt per Post bei Horst ein. Nach kurzer Prüfung schickte Horst die Teile inkl. seines zum Umbau bestimmten Ersatzdifferentials weiter zu Olaf nach Pensin. Die Sperren werden komplett mit Kabelbaum, Kompressor, Druckschalter, Relais, Sicherungshalter, Schaltern, Druckluftleitung und Druckluftverschraubung von Protrack geliefert. Eine gut bebilderte Einbauanleitung auf englisch hatte Protrack vorab per mail gesendet. Olaf bekam davon von uns eine laienhafte „selfmade“ Übersetzung wusste jedoch auf Grund seiner langjährigen Erfahrung auch ohne diese Übersetzung sofort worum es geht und wie es gemeint ist.
Einzelteile der Sperre

Wer weiß wie Olaf Vogel arbeitet kann sich vorstellen wie genau und ordentlich er den Einbau der Sperre vornahm. Und nicht nur das, es erfolgte eine komplette Revision der HA Diffs. Parallel hierzu wurde das Gehäuse für die Sperre vorbereitet. Hierzu war es notwendig, einige Modifikationen des Diff Gehäuses vorzunehmen. Des weiteren wurde ein Loch ins Gehäuse gebohrt und ein Gewinde für den Druckluftanschluß hineingeschnitten. Als i-Tüpfelchen bekam das Gehäuse noch eine neue Lackierung.
Loch für Druckluftanschluß

Nachdem das Differential mit der Sperre eingebaut und eingestellt wurde, fand ein Funktionstest statt. Hierbei stellte sich heraus, dass einer der Druckluftkolben leicht undicht war. Nach Rücksprache mit Michael, dem Mann, der hinter Protrack steckt, und seinem Rat, dass sich einige Kolben erst noch in ÖL einlaufen müssen, wurde das Problem noch auf der Werkbank behoben.
Sperre + Diff fertig eingebaut

Die Behandelung der 2 Differentiale beim „Zahndoktor“ wurde von Olaf zügig erledigt. Am folgenden Freitag holte ich die wertvolle Fracht persönlich bei Olaf ab. Natürlich nicht, ohne mir vorher noch einen Probelauf anzusehen und mir die Funktionsweise erklären zu lassen. Qualitativ war Olaf von der griechischen Sperre positiv Überrascht. Die Verarbeitung sieht ordentlich und sauber aus und die Bauteile sind aus gehärtetem Stahl. Also eine gute Grundvoraussetzung für ein langes und glückliches Leben als Sperre in einem Niva Differential.
Differential offen

Differential gesperrt

Jetzt musste nur noch ein passender Einbautermin mit Horst vereinbart werden. An einem ruhigen Schrauberwochenende bauten wir dann unsere Differentiale gemeinsam ein, schließlich steht ja der Saisonbeginn in Karenz vor der Tür.
Fast pünktlich gegen 8 Uhr traf ich zum vereinbarten Wochenende mit den Diffs im Kofferraum bei Horst ein. Nach einem Kaffee ging es dann auch gleich los in seinen Holzschuppen. Mein Niva war als erstes dran. Räder ab, Öl vom HA Diff abgelassen, Handbremsseil ganz entspannt die Bremstrommeln runter. Denkste! Da ich sie noch nie ab hatte, waren die Trommeln durch Kontaktkorrosion festgegammelt. Die vorhandenen Gewinde in den Trommeln zum Abdrücken erwiesen sich als wenig hilfreich. Nach ein paar gezielten Hammerschlägen und etwas hin und her hatte Horst die Teile dann doch überzeugen können, uns nicht weiter zu ärgern.
Das ziehen der Achsen gestaltete sich, nach lösen der Schrauben des Achsträgers durch Horst seinen selbstgebauten „Steckachsenaustreiber“ als absolut problemlos. Der Rest war dann ein Kinderspiel: Kardanwelle hinten abflanschen, noch ein paar Schrauben des Diffs lösen, altes Diff raus, Dichtflächen schön saubermachen, Dichtmittel auftragen neues Diff mit einer von Olaf beigelegten neuen Dichtung rein. Steckachsen und Bremstrommeln wieder montiert ( diesmal nicht ohne diese Bauteile vorher gegen Korrosion zu schützen) . Neues Öl aufs Differenzial, die Räder und die Kardanwelle wieder montiert und das Handbremsseil gespannt und eingestellt. Noch mal geschaut ob alles sitzt und nichts vergessen wurde, fast fertig.
Austreiben der Steckachse

Um die noch zu verlegende Druckluftleitung besser vor mechanischen Einwirkungen zu schützen hatte Horst vorher gewebeummantelten Benzinschlauch, Befestigungsschellen und diverse Druckluftwinkel sowie anderes nützliches Kleinmaterial besorgt. Der Benzinschlauch wurde kurzerhand zum Schutzschlauch für die Druckluftleitung umfunktioniert. So konnten wir den Druckluftanschluss am Differential gut geschützt und eng an das Gehäuse anliegend montieren.
Druckluftanschluß/-leitung Stephan

zum Vergleich Druckluftanschluß/-leitung Horst

Unter dem Niva wurde die Druckluftleitung an der Bremsleitung zur Hinterachse mittels Kabelbindern fixiert. Da sowohl Horst, als auch ich den Kompressor unter dem Beifahrersitz platzieren, haben wir die Druckluftleitung mitsamt dem Schutzschlauch durch die vorhandene Kabeldurchführung im Bereich der Handbremse in den Innenraum verlegt.
Durchführung der Druckluftleitung

So, nun waren alle mechanischen Arbeiten erledigt und es folgte die Elektrik. Wir verzichteten auf die Verwendung des von Protrack mitgelieferten kompletten Kabelbaumes und verlegten einen neuen, welcher mittels Niva üblicher Systemstecker an Schalter, Kompressor und Relais angeschlossen wurde.
Damit alles seine Ordnung hat, wurden 2 freie Sicherungsplätze im Niva Sicherungskasten entsprechend belegt und kein „fliegender“ Kabelsicherungshalter. Eine Sicherung für den „Laststromkreis“ des Kompressors und die andere Sicherung für die Spannungsversorgung der neuen Schalter, des Relais und des Druckluftmagnetventils der Sperre.
Druckschalter Kompressor einzeln

Kompressor + Systemstecker Stephan

Kompressor + Systemstecker Horst



Bei mir war dies kein Problem, jedoch hatte Horst bei sich keinen Sicherungsplatz Platz mehr frei. Kurzerhand hat er daher den kleinen unteren Sicherungskasten durch einen großen Kasten, wie er oben bereits verbaut ist, ersetzt. Ebenfalls nicht eingebaut haben wir die von Protrack mitgelieferten Schalter für Kompressor und Sperre. Natürlich haben wir original Niva Schalter benutzt. Hier hatte Horst schon einige Zeit vorher getüftelt und probiert.
2.Sicherungskasten Horst

Zum Einsatz kamen alte Heckscheibenheizungsschalter, welche so modifiziert wurden, dass sie nicht durch Druck auf die obere Schalterfläche schalteten, sondern nach unten „ein“ sind. Dadurch werden sie genauso betätigt wie die restlichen serienmäßig in „neueren“ Niva’s eingebauten Schalter. Die zur zweifelsfreien Zuordnung der Schalter verwendeten Symbolpiktogramme von Hella leuchten bei Einschalten des Lichtes als Auffindbeleuchtung und sind zusammen mit der übrigen Instrumentenbeleuchtung dimmbar.
Schalter + Systemstecker Stephan


Bei sich ging Horst dann noch soweit, dass er noch eine 2.Lampe in die Schalter integrierte, welche anzeigt, ob die Sperre bzw. der Kompressor an sind. Da jedoch die Umsetzung recht kompliziert ist, werde ich mir als Kontrollleuchte etwas Anderes überlegen, was mir zusätzlich zu der Schalterstellung den Betriebszustand von Kompressor und Sperre anzeigt.
Schalterumbau Horst

Schalter + Systemstecker Horst



Freitag Abend waren wir dann mit meinem Niva inklusive entwirren einiger anderer elektrischer Baustellen, Zuschnitt und Abkantung des Kompressorhaltebleches, sowie dem Nachrüsten von Systemsteckergehäusen für alle anderen Einbauschalter komplett fertig.
Samstag früh war dann Horst sein Niva „Igor“ dran. Da Horst schon etwas vorgearbeitet hatte, brauchten wir uns nur noch um den Diff. Tausch zu kümmern. Hier gab es absolut keine Probleme. Da an „Igor“ schon öfter geschraubt wurde, gingen alle Teile gut los. Bei dieser Gelegenheit haben wir dann noch gleich einen Wellendichtring an der Hinterachse, sowie das Auspuffgummi des LPG Endschalldämfers quasi nebenbei mitgewechselt.
Nachdem dann alles wieder zusammengebaut war, ging es ans Erste testen. Ein Feldweg mit Böschung erschien uns Ideal, um maximal zu verschränken und die Sperren auszuprobieren. Nach ein paar erfolgreichen Anläufen hielt eine Frau an und fragte uns, ob wir Hilfe bräuchten. Dies verneinten wir grinsend und dachten: 'jetzt nicht mehr'.
Alles im allem war es ein gelungenes Schrauberwochenende, an dem ich auch wieder viel lernen durfte!
Vielen Dank, auch in Horst’s Namen, an Alle aus dem Niva Technik Forum, die uns vorher so geduldig diverse Fragen beantwortet haben. Weiterhin danken möchten wir Olaf Vogel für den professionellen und zügigen Einbau der Sperren ins Diff sowie Michael Theologits, dem Macher von Protrack, für seine Arbeit und die reibungslose Abwicklung der Lieferung nach Deutschland.
Einen Teil der Bilder mit freundlicher Genehmigung von Michael Theologits (protrack).
