Zuallererst mal eine Einleitung wie es überhaupt dazu kam:
Eigentlich war für den Sommer 2009 eine 3 Wöchige Tour per Motorrad durch Griechenland geplant, aber wie so oft kam es anders. Ich verlor Mitte des Jahres meine Anstellung als KFZ-Sachverständiger da die Arroganz-Versicherung beschloss, uns nun nicht mehr zu beauftragen. Und da das ca. 50% unseres Umsatzes ausmachte und ich mit meinem Chef zu zweit war, wars nur logisch das ich gehen musste
Ein Freund von mir (Spitzmane "Mofa") wurde vom selben Schicksal ereilt und beim Bierchen beschlossen wir das beste draus zu machen und eine Mokicktour zu starten.
Nach etlichem Hin und her war unser Ziel fest: Der Balaton in Ungarn!
Und wenn man dann noch Lust hätte könnte man ja den Rückweg über Kroatien/Slowenien und Österreich legen... Aber es kam alles ganz anders!
Gefahren sind wir auf unseren guten, alten Simson-Mokicks, einmal einer S 50 B1 und einem Simson Bunny Roller (Exportmodell des SR 50 CE), die vorher natürlich gewissenhaft in Form gebracht wurden.
Los gehts!
Am morgen des 30.6.09 sollte der wilde Ritt starten und entsprechend früh war ich auf den Beinen. Ein Kaffee, ein Brötchen und schon hörte ich den Mofa auf den Hof knattern.

Also bei schönem Wetter ab auf den Bock und endlich ab!

Unser Weg führte uns durchs schöne Sauerland, leider meinte es das Wetter nicht dauerhaft gut mit uns und wir wurden kurz vor Winterberg von heftigen Gewittern heimgesucht und beschlossen daher den kahlen Asten links liegen zu lassen und stattdessen Kilometer zu fressen.
Im Hessenlande wurde das Wetter auch wieder freundlich und die Fahrt macht schon mehr Spaß. Unser Tagesziel ist Eisenach, wo ein Freund aus dem MZ-Forum.com uns eine Schlafgelegenheit angeboten hat.
An der ehemaligen Grenze:

Bei Bernd angekommen gabs erstmal lecker gegrillte Thüringer und 1-2 kalte Pils:

Morgens im schönsten Sonnenschein sind wir dann wieder auf den Rädern und unterwegs in Richtung Chemnitz wo wir wiederum bei einem Freund unterkommen können.

Über kleinste Landstraßen führt uns unser Weg durchs schöne Thüringen und Sachsen, und bis auf fehlende Tankstellen auf den Dörfern (*räusper* ich hab meinen Kanister schon gebraucht

Da uns das Wetter heute freundlich gesinnt ist kommen wir trocken und gewärmt in Chemnitz an, wo es aber am Himmel gefährlich grummelt. Auf dem Kaßberg jedoch, wo wir auf Sascha -unseren heutigen Gastgeber- warten, kommt kein Tropfen vom Himmel.
Endlich kommt Sascha und wir können unser Quartier beziehen. Er hatte so früh noch gar nicht mit uns gerechnet, weil er unsere Flotten Mokicks wohl unterschätzt hatte
Als das erledgt ist können wir den angenehmen Teil des Abends angehen und im "Esperanto" ein paar gemütliche Stunden im Biergarten verbringen, bevor wir uns voller Erwartung auf das kommende in Saschas Wohnzimmer schlafen legen.
Recht früh kommt für uns der Startschuss und los gehts in Richtung Grenze. Wir haben die Strecke durch das Erzgebirge vor uns und als Motorradfans müssen wir natürlich einen Stop am ehemals Weltgrößten Motorradwerk einlegen: MZ in Zschopau.

Nun sind dort viele kleinere Firmen angesiedelt (u.A. Harald Sturm mit seiner KTM Vertretung) und MZ selbst ist in das in den 80er Jahren bis zur Wendezeit neu gebaute Werk in Hohndorf umgezogen.
Von dort aus geht es stramm bergan und Regen liegt in der Luft, kommt aber nicht herunter. Unsere Regenhaut haben wir beim Start in Chemnitz dennoch vorsichtshalber übergestreift und ziehen sie erst an der Grenze wieder aus. Man muss ja auch mal Optimist sein
An der Grenze wo kein Mensch mehr kontrolliert:


Nun da wir im Ausland angekommen sind bekommt die Tour irgendwie eine andere Dynamik, woran das liegt kann ich mir nicht erklären. An der reinen Entfernung liegt es jedenfalls nicht, aber immer wenn man eine Grenze überquert bekommt man dieses Gefühl.
Als ich in Chomutov an der Tankstelle stehe um meinen (mit 6,5 Liter Inhalt eher kleinen) Tank zu füllen fällt mir auf dass wir trotz des Vorsatzes vergessen hatten einige Euro in Kronen zu tauschen
Ansonsten war der erste Eindruck von Tschechien irgendwie geprägt vom klischeehaften Ostblock-Stil: Plattenbau und Tarndress!

Über die Straßen und die schöne Gegend gibt es hingegen kein schlechtes Wort zu verlieren, auch die Hilfsbereitschaft der Menschen bei Erkundigungen nach einer Bank war sehr hoch.
Unser Weg führt uns nun weiter in richtung Most wo wir uns die Rennstrecke ansehen wollen, was wir leider total verpassen. Das fällt uns allerdings erst 20km später auf und da es mittlerweile anfängt zu regnen beschließen wir weiterzufahren und in Ceska Lipa ein Quartier zu beziehen.
Da der Preisunterschied zwischen Zelten und einer kleinen Datsche nur Gering ist entscheiden wir uns für die Datsche. Für 6,50€ die Nacht ein faires Angebot:


Aus meinem Motor kommen zu diesem Zeitpunkt schon unangenehme Geräusche die ich nicht recht zuordnen kann. Ich beschließe also in einer Regenpause den Zylinderdeckel zu demontieren und mal einen kurzen Blick hineinzuwerfen: Nichts zu entdecken und weiter zerlegen möchte ich den Motor nun auch nicht.
Also kehren wir in der Platzeigenen Gaststätte ein und werden vom Wirt zu 2 Gläsern frisch gezapftem Gambrinus eingeladen


Danach verabschieden wir uns aber auch schnell, da die Dusche noch ruft. Da gibt es dann wieder eine Überraschung: Ein typisch sozialistisches Ferienheim-Waschhaus aus Blech. Was solls, alles funktioniert und es gibt warmes Wasser, mehr wollen und brauchen wir ja gar nicht.
Das Wetter begrüßt uns am kommenden Morgen recht freundlich und ziemlich früh gehts wieder auf Achse.
Wir fahren einen schlenker über Liberec und von dort bis nach Mlada Boleslav wo der Autohersteller Skoda ansässig war (bevor er aufgekauft wurde und seitdem dort schlicht VWs mit dem Skoda Logo versehen werden). Es ist der Wurm drin, wir gurken eine halbe Stunde dort herum und fahren nur im Kreis
Also wird das Navi angeworfen und der Kurs in Richtung Kolin gesetzt. Plötzlich finden wir uns auf der Autobahn wieder
Als wir nach 10km von der Autobahn abfahren wird erstmal eine Zigarettenpause eingelegt und eine Knackwurst verspeist die wir dort bei einem Metzgerladen zu einem unschlagbaren Preis einkaufen. Nun gehts weiter in Grundrichtung Havlickuv Brod, und in Kolin werden wir plötzlich von einem heftigen Gewitter heimgesucht, grade als wir eine Bank zum Geld tauschen suchen.


Aber wir haben Glück und finden eine schöne Stelle zum unterstellen so dass wir nicht wirklich nass werden. Zwischenzeitlich wird jedoch das Rasseln aus meinem Motor immer heftiger und teilweise bleibt auch die Leistung etwas weg. Beim nächsten Lagerplatz muss etwas passieren, so kann es nicht weitergehen!
Im Campingplatzführer suchen wir uns einen Platz aus der sich in Opatov na Morave unweit Jihlava befindet und machen uns auf die Weiterfahrt. Wir haben beschlossen dort 2 Tage zu rasten und nötige Reparaturen durchzuführen.
Der Platz ist glücklicherweise echt schön, denn aus den 2 Tagen sollten 7 werden... Er gehört einem holländischen Ehepaar, das auch Deutsch spricht und uns eine große Hilfe ist!
Hier kann mans aushalten:


Am nächsten morgen demontiere ich den Zylinder um endlich herauszufinden woher dieses rasseln kommt. Jetzt weiss ich bescheid und meine Laune sinkt auf den Nullpunkt: Der Kolbenbolzen ist derartig eingelaufen dass der Kolben nur noch so daherschlackert! Das Nadellager selbst ist völlig unversehrt!
Das hat man nun von Nachbauersatzteilen, denn die Zylindergarnitur hat noch keine 2000km gelaufen, der Bolzen ist anscheinend einfach nur schlecht bzw. gar nicht gehärtet. Was nun?
Ich rufe in Deutschland meine Eltern an und bitte meinen Vater eine schon etliche Kilometer gelaufene 60cm³ Garnitur einzupacken und herzuschicken, eine andere Möglichkeit gibt es nicht, denn einen Kolben für die verbaute 80cm³ Garnitur hier in CZ zu bekommen ist unmöglich (Übrigens läuft die Garnitur heute wieder, mit neuem Kolben und Suzuki Kolbenbolzen seit nunmehr über 3000km Tadellos!).
OK, dann bleibt uns nicht anderes als hier auszuharren bis die Ersatzteile eintreffen. Nunja, wenigstens ists ne schöne Gegend!



In den nächsten Tagen machen wir zu zweit auf der S50 einige Ausflüge in die nähere Umgebung und in den Zoo von Jihlava. Es ist schön hier, leider aber etwas zu ruhig, so dass wir nach 5 Tagen eine art Lagerkoller bekommen und entgegen unseren sonstigen Gewohnheiten sogar wandern gehen!
Gut dass es im Ort Opatov einen kleinen aber gut sortierten Supermarkt gibt!

Unser Kühlschrank und die Küche:


Es gibt sogar eine kleine Kneipe, die aber nicht allzu einladend wirkt:

Als nach geschlagenen 6 Tagen das Paket mit den Ersatzteilen eintrifft sind wir froh und begeben uns sofort an die Reparatur.

Bei der nun anstehenden Probefahrt läuft der Motor wieder sauber und wir beschließen am nächsten Morgen weiterzufahren, was sich aber in einer Stunde dramatisch ändern soll...Mofa hat keine Lust mehr!
Er will unbedingt nachhause. Damit ist das Thema "Weiterfahrt" also gelaufen, da wir nur ein Zelt dabeihaben und auch die Restliche Ausrüstung auf eine Fahrt zu zweit ausgelegt ist
Als wir uns dann am nächsten Morgen auf den Weg machen stehe ich nach 100m (!) mit nem Platten da. Na Klasse!
Also Schlauch wechseln und ab dafür! Wir kommen gut voran und es tut gut wieder zu fahren, auch wenns die falsche Richtung ist.
Nun wird es langsam dämmrig und ein Campingplatz ist nicht in der Nähe also beschließen wir Abseits der Straße ein nettes Plätzchen für ein Wild-Lager zu suchen und finden es an einer Fernheizungsbrücke über die Ohre.


Erschlagen schlafen wir direkt ein, der heutige Tag war irgendwie anstrengender als auf der Hinfahrt.
Frühs um 6 bauen wir das Lager ab und fahren los in Richtung Chomutov und von dort über die Grenze nach Sachsen.
Hier beschließen trennen sich unsere Wege, denn Mofa will unbedingt nachhause wohingegen ich diesen Tag noch im Erzgebirge verbringen möchte um dann Abends wiederum bei Sascha unterzukommen.
Ich nutze den Tag um mir endlich einmal das Motorradmuseum auf der Augustusburg anzusehen, wozu ich während der Besuche auf dem Wintertreffen dort oben noch nie gekommen bin. Das Museum lohnt sich wirklich!


Eine Tankanlage im Erzgebirge:

Der nun wieder treue Reisebegleiter ist wieder in Karl-Marx-Stadt eingetroffen:

Mein weiterer Weg führt mich nun wieder über Eisenach, wo ich erneut bei Bernd unterkomme, und das Sauerland in Richtung Heimat.

Fazit der Tour: Das nächste mal ist meine Ausrüstung Autark! Ansonsten hats viel Spaß gemacht und es hatte auch noch etwas gutes: In meiner Reisekasse war noch genügend Geld um bei der Rügentour 2009 mitzufahren und dort viele nette Leute kennenzulernen. Infos und Bilder gibts auf http://www.simson-ruegentour.de!

