Nachdem nun klar war, dass meine holde Exverlobte wieder täglich in die Hauptstadt fahren musste, eröffnete Sie mir freudigst, dass Sie nun aber nicht mehr mit Ihrem Opel F., sondern lieber mit einem kleinen Stadtflitzer die tägliche Parkpklatzsuche antreten wolle. Ich bekam leichte Herzrhythmusstörungen vor Freude, eröffnete mir dieser Wunsch doch die Möglichkeit einen echten Geländewagen für die Arbeit im Wald anzuschaffen, ein robustes, zuverlässiges Fahrzeug, gebraucht, in gutem Zustand. Hatte ich mich drei Jahre lang mit der Discofalle gequält ( incl. der wöchentlichen Grundreinigung, denn Montag war ja wieder ein Tag für "mit Kostüm ins Büro") stand ich nun vor der Qual der Wahl. Nach einiger Information im Internet und Gespräch mit Kollegen (da waren einige bei der Fahne) war klar : es wird ein NIVA.
In einem der unzähligen Erfahrungsberichte habe ich dann den wirklich guten Ratschlag gelesen sich erst einmal zehn Fahrzeuge anzusehen und probe zu fahren und das habe ich dann getan. Mein Versuch mal einen Lada "in echt und neu" zu bewundern, wurde aber von der Tatsache behindert, dass in ganz Berlin und Umgebung kein einziges Fahrzeug bei einem Autohaus stand. Letztich hatte dann doch noch ein Händler ein Auto zu stehen, aber das Büro war nicht besetzt und so blieb mir nur der Blick mit plattgedrückter Nase durch die Seitenscheibe. So hatte ich mir das vorgsetellt. Ein Auto ohne Schnickschnack, funktionell und ohne Schnörkel. Ja das war es. Ein neuer war aber zu teuer und so fing ich an mich bei den üblichen Webseiten umzusehen. Tja und dann fing ich an zu begreifen. Entweder man kauft einen NIVA, hegt und pflegt ihn und gibt ihn nie wieder her oder das Auto ist schrottreif. (An dieser Stelle nochmals vielen Dank an das Autohaus in Sachsen, welches sich hartnäckig weigerte mir seine Rostlaube zu verkaufen und auch an den netten Förster aus Lichtenstein, der nach der Probefahrt glatte 2000 Euro mehr haben wollte als im Internet verlangt. Beide Fahrzeuge sind immer noch zu haben

). Einer der Wege durch Deutschland führte mich schließlich in den Hamburger Raum, wo mich ein 10 Jahre altes Fahrzeug erwartete, welches ich zu einem naja "angemessenen" Preis kaufen konnte. Der Vorbesitzer war wohl Aktionär bei einer Firma gewesen die Versiegelungen für Schiffsbalasttanks herstellte, jedenfalls gab es bis auf wenige oberflächliche Stellen keinen Rost. Das Fahrzeug präsentierte sich gut, bremste, fuhr dabei auch gerade aus. Kurzum. Ich habe es gekauft. Nachdem ich es vollgentankt hatte bin ich die Heimreise nach Berlin angetreten und die rund dreihundert Kilometer mit meinem neuen Schätzchen gefahren. Alles prima, nein, es war nicht so laut wie in unserem 86er FIAT Wohnmobil, und das hat keine Stollenreifen und ich habe auch das Radio gehört. Zu Hause angekommen gab es nach der Begrüßung erst einmal ein paar Runden mit den Kindern durch die Baumschule mit der Absicht der Familie am nächsten Tag mal zu zeigen wo der Hammer hängt. Es hatte geregnet und die "Lehmbahn" hat Ihren Namen zu Recht. Sonntag gefrühstückt und dann alle Mann ab in die Pampe. Naja. So weit sind wir nicht gekommen. Am Kirchturm war Schluss, denn aus dem Fußraum zwischen meiner Frau und mir kam ein Geräusch als ob man eine Kaffemühle mit Eisenfeilen gefüttert hätte. Meinen spontanen Enthusiasmus das Getriebeöl zu wechseln, in der Hoffnung damit etwas retten zu können, werde ich mir bis heute nicht verzeihen, denn ich hatte selbstverständlich ausreichend Getriebeöl zu Hause und war wirklich nicht darauf angewiesen mir auf der örtlichen Tanke schnell mal eben das platinveredelte High End Produkt zu erwerben (Verbrecher !!!!!). Also Öl abgelassen, oh mann da waren schon Späne zu sehen. Auto aufgebockt, etwas auf die Seite gelegt und MAc Gyver mässig die 1,8 Liter der Edelbrühe in das Getriebe gepriemt. Tja bin dann noch vom Carport bis zum Parkplatz gefahren (20 m) und habe das Auto dann zurückgeschoben. Da brauchte ich keinen Wahrsager mehr um zu kapieren, das das Getriebe mal eins war. Mittlerweile war es so gegen 14:00 Uhr. Ab ins Internet und mal n bischen gegoogelt und siehe da, es gibt regenerierte Getriebe. Handynummer war auch dabei, also flugs gewählt, "wat haste denn jetze noch zu valiern". Ey Wahnsinn, da geht einer ran. Problem geschildert und gefragt, ob es denn recht wäre, wenn ich so in zwei Stunden etwa das regenerierte Teil abholen könnte. Sag der Mensch :"JA denn komm mal, ick warte". Also den Skoda gequält und die schlappen 300 km in gut zwei Stunden abgeritten. Mitten in MV, gibts da ne Garage, wo einer Getriebe regeneriert. n bischen gequatscht, oh mann der Typ hat Ahnung, noch ne Hand voll Tips abgeholt, was man wo wie weshalb beachten muss und ab wie die Luzie die 300 km wieder zurück, das Auto gefüllt mit Teilen von der Sorte " dann nimm dat mal noch mit, dat kommt dann auch noch".
Montag Abend dann ab auf die Bühne und den Wagen zerlegt. 2 Stunden 10 Minuten Getriebe draussen. Kupplung war tatsächlich im Eimer, aber das war ja ein Teil von der vorher beschriebenen Sorte und lag im Kofferraum. Dienstag Getriebe wieder rein und "wenn du ne Probefahrt machst, dann ruf mich an, ick will wissen wenn dat läuft". Hätten wir gerne gemacht, aber die Steuerkette rasselte, als ob Du n paar Muttern in eine Mulinette gedrückt hättest. Also Ventildeckel runter.
" Dat geht nich so einfach, da is ne Menge im Weg" Tja Anfangs, nach fünfmal Deckel rauf und runter ist man versiert. Weshalb hatte ich nur zwei Ventildeckeldichtungen im Kofferraum ???
Mittwoch dann auch noch den Beruhiger neu eingebaut ( ...."dat Teil brauchst Du dann auch noch".... lag im Kofferraum).
Nichts. Immer noch der Gleiche Sound. Zwischendurch Ferndiagnose via Handy : " dann starte mal und halte dat Handy an den Motor". Donnerstag neue Steuerkette besorgt und gewechselt, so wie die Spannschiene (.... Kofferraum...) . Plötzlich spannt der Kettenspanner, das Auto läuft und alles ist schön. Ich glaube ich war der glücklichste Mensch auf Erden. Das Getriebe schaltet so butterweich und leise, dass du denkst es fehlt. Heute habe ich Olaf Vogel das alte Getriebe vorbeigebracht, wie abgesprochen. Echt super. Nochmals vielen Dank von dieser Stelle für die echt guten Tips und die spontane Hilfe. Das es so was heute noch gibt....... Danke
Der Anschnallfuchs
