NIVA 4x4 TOUR LOG - ISLAND 2014
Sonntag Abend, Tag -5, letzte Vorbereitungen [km 0]
Nicht wegen "Walter Mitty", sondern wegen "einer Infektion", die wir uns beim letzten Mal dort "irgendwie geholt" haben, geht's nochmal zurück zu Meer, Eis und Feuer! - Diesmal wollen wir mehr Gletscher (= Tour), mehr Natur (= Nationalpark/Wale) und weniger Kamera (= Blick durch die Linse) - kurz gesagt = mehr Genuss pur!
Ja, in letzter Zeit musste ich feststellen, dass mein Niva eben kein Neuwagen mehr ist. Die ersten Anzeichen der Badewannenkurve machen sich bemerkbar. Aber das ist völlig OK nach 87 Tkm (mit Originalkupplung und Getriebe).
Viele Kleinigkeiten haben wir "gefixt" (z. B. den gerissenen Krümmer gegen einen Gusskrümmer ersetzt, Getriebe mit LecWec befüllt, Simmerring an der hinteren Steckachse gewechselt...) und einige Symptome haben wir eher "bewertet" als "getauscht" (z.B. Getriebeschaltschwierigkeiten und "Pilotlager-Rauschen"). - Ein bisschen Abenteuer muss sein. Ersatzteile sind eingepackt. Und wir drücken die Daumen, dass nix Größeres ausfällt!
Zusätzlich zu den Vorbereitungen vom letzten Jahr haben wir den Niva wie folgt "aufgerüstet":
* Neue Sitze eingebaut und eingetragen (= endlich langzeitreisetauglich)
* Neue (alte) Nebelscheinwerfer montiert (= bessere Sicht für die Bergpässe)
* Moderate Höherlegung hinten realisiert (= weniger "Durchhängen" mit Ersatzradhalter)
* Geolandar A/T-S Reifen montiert (= bessere Haftung bei Regen)
* Ersatzteilkiste aufgefüllt (= Anpassung an aktuelle Symptome

)
* Flasche Wodka eingepackt (= bewährtes Zahlungsmittel bei Pannen)
... in 5 Tagen geht's endlich los: Über Dänemark geht's mit der Fähre über die Färöer Inseln nach Island!
Ick freu mir!
Montag, Tag -4, Inkontinenz [km 0]
Update: Es ist zum "Krebse niesen"! Der Niva sträubt sich diesmal wirklich mit allen vier Rädern gegen Island. Dass die Gänge schlecht reingehen habe ich akzeptiert.... Aber dass er jetzt - drei Tage vor der Abfahrt - inkontinent auf die Straße pinkelt ist unakzeptabel.
Seit heute ist "der neue Geruch" stärker geworden - und siehe da, es IST das Kühlwasser. Der Niva verliert jetzt einen "halben" Zentimeter auf nur 40 km. Auf dem vorderen Motorschutzblech sammelt sich eine Pfütze, der Rest verdampft mehr oder weniger Geruch- und Geräuschvoll auf dem Krümmer.
Also müssen wir nochmal ran. Gut dass das jetzt passiert! Wenn ich nur nicht noch arbeiten müsste...
Dienstag, Tag -3, kein Einpullern mehr [km 0]
So, jetzt macht er sich nicht mehr "ins Hemd"!
Merke: Immer schön auf die Gummiqualität achten!
Das ist leider bei der teilweise schlechten Ersatzteilqualität gar nicht so einfach. - Einer der neuen Heizungsschläuche war undicht. Gut dass die alten (originalen) noch nicht weggeworfen wurde. Mit den alten Schlauchen und neuen "West"-Schellen ist jetzt wieder alles dicht!
Danke an Heisseluft für den schönen Abend!
Island, wir kommen! (Wird eh gerade zu heiß hier!)
Freitag, Tag 1, auf nach Aalborg [km 718]
Bei bestem Wetter starten wir sehr früh in Richtung Norden, um an diesem "Pfingstfreitag" nicht zu sehr in den Wochenendstauzu geraten. Die Rechnung geht auf. Es ist voll, aber der Lada hält dicht!
Unterwegs bemerken wir, dass wir den Lada-Zweitschlüssel zu Hause vergessen haben. Wir machen kurzerhand Rast in Neumünster - und schon wieder haben wir Glück, denn der kleine Schlüsseldienst, den wir aufsuchen, ist wirklich in der Lage einen Ersatzschlüssel für den Niva anzufertigen (nach einigen Tipps - mit Fiat-Rohlingen). Klasse, das haben drei Schlüsseldienste in Berlin nicht geschafft...
Das Wetter zeigt unterwegs noch einmal April-Charakter, doch Aalborg empfängt uns mit Sonnenschein. Also auf in Jensens Böfhus zum lecker Burger-Essen!
Ein schöner Abschied vom "Festland"!
Samstag, Tag 2, zum nördlichsten Zipfel [km 718 + 167]
Da wir zeitig loskommen, bleibt bei unserer Tour zum Fährhafen diesmal doch noch etwas Zeit für einen Abstecher zum nördlichsten "Zipfel" Dänemarks. Dort wollen wir uns das "Schauspiel" des Aufeinandertreffens von Nord- und Ostsee gern live anschauen.
Aufgrund des fehlenden "Wellengangs", ist dieses "Schauspiel" zwar nicht so spektakulär, aber das Wetter ist so sonnig und schön, dass es fast schwer fällt, sich los zu reißen.
In Hirtshals treffen wir diesmal noch einen weiteren Niva-Technik-Freund aus Erfurt. Sein Niva sieht mit Winde, MT-Reifen und Speziallackierung wirklich "fit für Island" aus. Ansonsten sind hier diesmal verhältnismäßig wenig "echte" Offroad-Fahrzeuge zu sehen. Dafür warten hier diverse Luxus-Limusinen, wie zum Beispiel eine Mercedes S-Klasse und ein Lotus auf
den Check-in.
Und nein, obwohl es so aussieht, warten wir nicht "irgendwo in Nordafrika auf ‘nen Seelenverkäufer"
Das "Einschiffen" ging diesmal unglaublich schnell. 12:00 haben wir uns angestellt und 12:30 war der Niva schon "drin". Aber das Schiff ist diesmal "voll - unglaublich voll. Die "Schlacht" beim Abendbuffet mit 200 Rentnern um's Essen - zeigt uns, dass 'ne klassische Kreuzfahrt nichts für uns wäre...
Der Rest ist wunderbar und entspannend und perfekt geeignet um "runterzukommen". Wir genießen die "Zwangskur", schlafen viel und erholen uns.
Sonntag, Tag 3, auf See [km 885]
Die See ist unwirklich ruhig und die Sonne scheint. Seevögel kündigen uns die Shetland Inseln an und wir passieren den nördlichsten Teil Großbritanniens.
Ganz ohne Sturm und Wind verlassen wir die Nordsee und fahren weiter auf den Atlantik in Richtung Island.
Zwischendurch vertreiben wir uns die Zeit mit wertvollen Lada-Erfahrungsaustauschen mit unseren Niva-"Kollegen". Hoffentlich vermiesen uns die Pilotlager-"Probleme" nicht den Abenteuer Urlaub. Wir tauschen unsere Telefonnummern für den Notfall aus und genießen die schöne Überfahrt.
Montag, Tag 4, Torshavn [km 885]
Eine Kleinstadt liegt im Dornröschenschlaf, dennauch hier haben Pfingstmontag alle Geschäfte geschlossen. Wir schlendern ein wenig durch die Altstadt (mit den typischen grasbedeckten Häusern)...
... und genießen die frische Seeluft und das milde Wetter.
Bei der anschließenden Fährpassage durch die Färöer Inseln gibt es bei bestem Wetter fantastische Ausblicke auf die "grünen Vulkane".
Wir freuen uns schon wieder über den Luxus so langsam zu reisen, um sich Kilometer um Kilometer vom Alltagsstress entfernen zu können (ganz ohne Flughafengedrängel und Hektik

).
Dienstag, Tag 5, Island [km 885 +331]
Morgens sehen wir erstmal nichts, überhaupt nichts. Das Schiff fährt ruhig im Nebel. Doch dann tauchen aus dieser weißen Waschküche die ersten schneebedeckten Berge auf.
Der Seydisfjördur empfängt uns mit unerwartet schönem Wetter.
Ein perfekter Start in den Island-Urlaub. Schöne Gespräche an Deck mit den netten Erfurtern runden das Bild ab.
Das Parkdeck ist eng. Die Autos stehen so dicht, dass wir nicht in den Niva kommen. Wir unterhalten uns mit freundlichen Tschechen, die sich wundern, warum wir Deutsche mit nem LADA nach Island fahren.
Die Fahrt nach Egilsstadir führt uns über einen schönen Bergpass - diesmal ganz ohne Nebel, aber mit Schnee. Zeit für ein letztes "Good Bye" zu unseren netten Erfurter Niva-Piloten (sie fahren in die entgegengesetzte Richtung und bleiben eine Woche länger auf Island.).
Wir genießen die wunderschöne Küstenstraße - mit den schwarzen Stränden...
... mit Seevögeln und "tapferen" Blümchen

...
... und erleben bei unserer Fahrt Richtung Höfn den typischen Island Wetter-Mix aus Sonne, Regen, Wind und wieder Sonne. Das gibt dramatische Himmel!
Klasse, die Außenspiegel halten und klappen - wider Erwarten - auch bei entgegenkommenden LKWs nicht ein (da hat sich die Bastelarbeit der verstärkten Halterung doch gelohnt).
Der Vatna-Gletscher bietet seine "Zungen" an. Schon aus der Ferne sind das majestätische An- und Ausblicke.
Da die Sonne auch abends noch scheint, gibt's einen Ausflug nach dem Abendbrot zum Flaajökull-Gletscher.
Die Tour bietet beste Kulissen für "Mars-Missions-Aufnahmen". Und das Schöne: Wir sind allein!
Über eine Hängebrücke geht's zu Fuß weiter. Der anschließende Ausblick auf den Gletscher ist fantastisch.
Ein perfekter erster Tag!
Mittwoch, Tag 6, Gletschertag [km 1216 + 121]
Trotz Regen machen wir endlich die Fahrt über die F985 zur Jöklasel-Hütte auf dem Skalafellsjökull-Gletscher.
Die 16 km Strecke, die in der Regel nur von Superjeeps gefahren wird, mit denen man dann aufs Eis fährt, ist wirklich faszinierend abwechslungsreich.
Steile, unbefestigte Serpentinen, keine Touristen, nur schöne Natur. Die Route geht über einen Gletscherstausee hoch und höher, bei 885 m sind wir bereits über dem Gletscher.
Und der Lada hält! - Er meistert die Steigungen mit Untersetzung absolut souverän. Schon wieder fühlen wir uns wie auf einer Enterprise Außenmission - aber mit Lunochod - nicht mit Shuttle.
Oben liegt Schnee, viel Schnee! Der sei über die letzten Jahre immer mehr geworden, erklärt uns ein Isländer oben an der Hütte. 20 cm waren es noch von ein paar Jahren - nun sind es 5 m - nicht gut für die Hütte - aber sehr gut für den Gletscher! Den Hüttenbesitzer freut das nicht, er hat Mühe, die Hütte schneefrei zu halten.
Die "Schneeraupe" ist dafür noch im Betrieb.
Wir pfeifen auf die Skidoo-Tour, die wir hier eventuell machen wollten und laufen ein wenig auf dem Schneebedeckten Gletscher.
Dabei kommen wir auf den Geschmack, jetzt wollen wir noch mehr Gletscher....
Der Regen lässt nach und die Tour geht weiter!
Ein altes Flussbett führt uns zum Hoffellsjökull-Gletscher. Klasse, so kommen wir doch noch zum Furten, da die provisorische Flussüberfahrt überspült ist. Auf den Felsen haben wir den Gletscher für uns.
Unterwegs sehen wir nicht nur Schafe und Schwäne sondern auch Rentiere.
Die Island-"Touristen", die wir treffen haben "ihr Herz immer am rechten Fleck" und die Gespräche sind interessant und schön.
Hoffentlich gewinne ich den Kampf gegen die Erkältung!
Donnerstag, Tag 7, Expedition ins Eis [km 1337 + 182]
Der Tag startet mit Nebel und Nieselregen. Die Gletscher und der gesamte Vatna sind nicht zu sehen. Die Fahrradfahrer, die uns bei der Autotour im Nieselregen begegnen, haben unseren tiefen Respekt.
Als wir am (überfüllten) Jökulsarlon-Gletschersee aussteigen, lässt der Regen nach. Klasse!

Uns zieht's zum leeren Strand. Wir wollen die dort an Land gespülten Gletschereis-Brocken aus der Nähe "inspizieren".
Echt faszinierend diese teilweise blauen Eisberge am sonst tiefschwarzen Strand...
... mit faszinierenden Aus- und Durchblicken

...
... und das Eis ist wirklich kalt...
... und es schmeckt gut.
Die Tour geht weiter zum Skaftafell Nationalpark. Das Moos, welches die karge Landschaft bedeckt ist warm und weich - und sieht nicht nur aus wie Fell. Unterwegs weichen wir vielen Lämmchen erfolgreich aus, nur um anschließend zum Mittag einen sehr leckeren isländischen Lamm-Eintopf zu essen. *Auweia*!
Heute machen wir eine Tour auf dem Svinafellsjökull-Gletscher mit einen Mountain Guide. Mit "Eisschuhen" und Eispickel ...
Die Tour über Asche und Eis ist nicht nur schön sondern auch lehrreich. Wir lernen, dass sich trotz des "Schnees von gestern" auch dieser Gletscher leider zurück zieht.
Und endlich erfahren wir, wie diese schwarzen (in den Augen der Isländer hässlichen) Türme auf dem Eis entstehen. Nein, es ist keine "Trollsch.....", es sind Aschereste nach dem Abschmelzen.
Da das Wetter mitspielt, gibt's nach der Gletschertour, noch 'ne Wanderung zum Svartifoss (kein Wunder das das am Tagesende zu Blasen führte

). Der Weg ist schön und unwirklich, denn unten sieht man den kargen Lavastrand und hier oben liegt ein grünes Paradies mit kleinen Birken und herzzerreißend schmetternden Singvögeln.
Auch riecht es hier ganz anders, als sonst auf Island. Und nach 45 min mir "Sommerwiesenduft" erreichen wir den schönen Wasserfall mit Basaltsäulen. Die Sonne scheint - und schon wieder ist "T-Shirt-Wetter". - Island "fetzt"!
Wir sind echt aus der Übung. Mit schmerzenden Füßen (und Vorfreude auf die Fähre am nächsten Tag) geht's abends glücklich ins Bett.
Freitag, Tag 8, Auf die Westman Inseln [km 1519 + 174]
Der Tag startet mit Regen, was uns aber nicht die Laune verdirbt, da wir schon beim letzten Mal gesehen haben, wie schnell sich das Wetter hier ändern kann.
Wir freuen uns über die absolut leere Ringstraße (das pure Gegenteil zur Berliner Stadtautobahn

) und die vielen arktischen Lupinen am Straßenrand (die sogar auf Asche wachsen können). Das Autofahren macht Spaß und ist garantiert nicht einschläfernd. (Beim "Isländischen Seitenwind" muss man im Niva beim Geradeausfahren manchmal mehr lenken als bei den Kurven.

)
Unterwegs sehen wir endlich Islandpferde beim "Tölten".
Nach erfolgreichem "Woll-Shopping" in Vik, geht's weiter zum zum Hafen "Landeyjahöfn", zum Einschiffen auf die Fähre zu den Westman Inseln (Vestmannaeyjar), der Insel mit der größten Papageientaucher-Kolonie Islands (rund 600.000 Vögel sind hier während der Brutzeit anzutreffen).
Die Überfahrt ist stürmisch.
Als wir auf der kleinen Insel ankommen, staunen wir nicht schlecht, es gibt hier sogar eine Ampel.
Bei der Fahrt an den südlichsten Zipfel der Insel erleben wir fantastische Aussichten auf Klippen und See - und natürlich: Wind!
Die feuchte Salzluft hält frisch, aber ob das aber den Niva freut?
Endlich sehen wir das Grün der Vulkanklippen aus der Nähe - ja, es ist Gras.
Wir staunen über Wind und Wetterwechsel und genießen das laute Schauspiel der Natur.
Der Flughafen ist übersichtlich - Respekt im Voraus für die Piloten, die hier bei Wind und Wetter landen müssen.
Auf dem Weg zurück in die "Stadt" kommen wir an einem schönen grünen Vulkan vorbei.
Wir trauen unseren Augen nicht, aber ja, im "Inneren" deses Vulkans wird Golf gespielt. OK, leuchtet ein: Windstill!
Am Abend erklimmen wir zur Vogelbeobachtung den Heimakettur - allerdings nur halb. Der Wind ist so stark, dass wir fast von den Leitern gepustet werden.
Endlich sehen wir wieder Lundis (Papageientaucher). Die fliegen ja sogar putzig.

Wir machen (wegen des fehlenden Foto-Equipments) keine Fotos, sondern genießen die Aussicht auf See und Seevögel - auf halber Höhe.
Danach starten wir noch eine kleine Offroad-Tour - ohne Navi zum Vulkan Eldfell, der 1973 zum letzten Mal ausgebrochen ist und der Insel neues Land geschenkt hat.
Unterwegs passieren wir die Motocross Strecke. 2012 fand auf den Vestmannaeyjar die legendäre Formula Offroad statt. Was für eine fantastische Kulisse für solch ein Event!
Zur Feier des Tages folgt ein Tanz auf dem Vulkan und der Niva ist jetzt voller Asche.
Wir essen nicht den in der "Eatery" angebotenen frischen frittierten "Minky Whale", aber werden auch so satt!
Ein schöner Geburtstag - auch ohne Fußball!
