
Dienstag, Tag -3, Lada-Tag [km 0]
- Heute mit einem Tag Verspätung den Lada aus der Werkstatt abgeholt.
- Wegen des Motorgeräusches wollten sie unbedingt den Kettenberuhiger tauschen.
- Nun, es ist auch der Kettenspanner getauscht worden. Die Probefahrt mit dem Mechaniker zeigt, dass das Geräusch immer noch da ist. Aber laut Chef ist „das Geräusch jetzt weg! Anderes Geräusch ist neues Geräusch!“
- Also gebongt, die endgültige Entscheidung Mini oder Niva ist nun gefallen.
- Das Lada-Kennzeichen wird für Fähre und Maut registriert.
- Jetzt gibt es keinen Weg mehr zurück!

- Ganz unbeabsichtigt habe ich die Geländegängigkeit des Nivas auf dem Kauflandparkplatz getestet.
- Ja, es war dunkel. Ja, der Platz war leer, warum also nicht vorwärts aus der Parklücke fahren?
- Gut, wer konnte denn schon ahnen, dass es da durch eine unbepflanzte Blumenrabatte geht?!
- Also, wegen des nicht erwarteten Geländetests erst mal schön den Motor abgewürgt.
- Die übrigen Passanten staunten nicht schlecht über den im steilen Winkel von 30° im Beet stehenden Geländefuzzi.
- Nun denn, dann eben Getriebe-Gelände-Untersetzung rein und vorwärts wieder raus aus der Rabatte.
- Geht doch!

- 14 kg wiegt die Ersatzteilkiste. Gut, das Werkzeug war nicht dabei, aber das passt schon irgendwie rein.
- Stimmt! Passt!
- Also schnell noch die Guzzi bei bestem Spätsommerwetter zu meinen Eltern gebracht.
- Ein schöner Urlaubsanfang!

- Das wird ‘ne erste Bewährungsprobe: 350 km Autobahn. (Anmerkung: Damals, dachten wir noch so! heute fahren wir auch schon mal 1300km an einem Tag.
) - Und wenn wir liegen bleiben, verpassen wir die Fähre...!
- Aber nix da. Alles bestens. Der Niva rollt und schnurrt wie ein Bienchen.
- Das Wetter ist auch OK. Nur ab und zu Regen. Das letzte Mal - flaches Land.
- Einschiffung bei Nieselregen. Mann, ist das ein Riesenkahn.
- Eng ist es es auf dem Autodeck neben den Motorrädern.
- Toms Angst, dass diese auf den Lada kippen, teile ich nicht.

- Der Preis für die Außenkabine hat sich gelohnt. So ein großes Bullauge!
- Da braucht man kein Panorama-Deck!


Montag, Tag 2, Oslo wir kommen [km 354]
- In der Nacht haben wir die Riesen-Ostseebrücke von unten gesehen, das unendlich große Schiffsinnere erkundet und uns von den Trägheitsstabilisatoren in den Schlaf schaukeln lassen.
- Es ist wirklich wunderbar, sich so „behutsam“ dem neuen Land zu nähern.
- Der Oslofjord schläft noch und verrät durch die Granitfelsen, dass wir in Skandinavien sind.
- Oslo, ehemals Cristiania, eine schöne Stadt - provinziell und doch weltoffen.
- Der Rathausplatz gestattet einen Blick auf eine Art „Werner-von-Siemens-Architektur“, und wenn man sich umdreht, liegen einem die Weltmeere zu Füßen. - Merkwürdig schön.
- Schade nur, dass unser Hotel zwar „Park Inn“ heißt, aber über keinen einzigen Parkplatz verfügt. (Also mal eben 45€ für’s Parken bezahlt....).
- Oslo, schöne Stadt - schöne Menschen!



Dienstag, Tag 3, Kein Abflug in Kristiansand [km 705]
- Die Fahrt geht, trotz anfänglichem Starkregen, sehr gut voran.
- Klasse, die Werkstatt hat beim Relais-Umklemmen ganze Arbeit geleistet, wenn der Motor zu warm ist springt jetzt automatisch die Klimaanlage an.

- Heute fliegt Toms Schwester vom Flughafen Kristiansand zurück nach Schottland. Wir werden uns also knapp verpassen.
- Aber heute geht kein Flieger vom kleinen Provinzflughafen, das Feuerwehr-Auto ist kaputt.
- Prima, dann sehen wir uns also doch noch. - Alle zusammen mit Gepäck in den Niva gequetscht und zurück in die Stadt. Es ist ein netter Abend mit Freunden!

- Der Ausblick im schönen Bungalow über Kristiansand ist fantastisch.
- Der Tee und die Gespräche (über Copyrights, Wende und System) beim Freund der Familie waren sehr interessant.
- Die Nacht im klitzekleinen Hotelzimmer war kalt. Wir haben ein T-Shirt in’s Klimaanlagengitter gequetscht.
- Das Yess! Hotel war eher ein No!


Mittwoch, Tag 4, Geländetest nach Stavanger [km 1014]
- Klasse, gut dass die Werkstatt den Motor noch repariert hat hat. Das Geräusch beim Abtouren ist jetzt lauter als je zuvor. Da macht die Motorbremse keinen Spaß.
- Unser Garmin scheint ein Offroad-Navi zu sein. Nicht nur, dass es manchmal einfach so aus geht.
- Die Strecke zum Lindesnes Fyr hat uns auf einem Schotter-Waldweg durch die skandinavischen Felsen geführt. Geil - ich war’s nicht! Es macht Spaß! Tom schwitzt, aber der Niva fühlt sich wohl.
- Wow, was für eine imposante Landschaft. Tausendundein Wasserfall.
- Norwegen ist wunderschön und definitiv was für mich!
- Vestre Amoy - Fjordferie. Ja, hier kann man Ferien machen. Eine Art Ferienwohnung im Haus mit anderen Gästen (zwei nette Kanadier).
- Große Tanker liegen im Fjord, die Sonne geht unter. Einfach nur schön.

- Hoffentlich hält der Niva durch. Ich selbst hatte heute bereits Abwechselung durch Tom nötig!
- Haben wir uns mit den Tagesstrecken übernommen?


Donnerstag, Tag 5, Europa-Fähr-Straße nach Bergen [km 1210]
- Beeindruckend gut logistisch organisiert (und natürlich teuer) - eine ganze Europastraße wird hier ab und zu eingesammelt und auf eine Fähre verfrachtet.
- Heute haben wir zwei dieser Fähren genommen - ohne Wartezeit.
- Regenwetter, aber mit Regenbögen - wunderschön.
- Granitfelsen, Inselchen und schön geschwungene Straßen.
- Anstatt Brücken gibt es hier auch manchmal Tunnel durch die Fjorde. Da geht es dann mal eben 4 km mit 10% Gefälle bergab (Motorbremse ist Pflicht) und dann wieder 4 km steil nach oben.
- Und es dauert übrigens keine 7 Stunden von Stavanger nach Bergen, wie uns die beiden Kanadier erzählen wollten.
- Es sind maximal 4 entspannte Stunden.

- Bergen ist schön, fast schon kitschig.
- Mal sehen ob es morgen auch regnet.



Freitag, Tag 6, Bergen [km 1210]
- Dann schauen wir uns das ganze doch mal von oben an.
- Wow, Bergen ist eine schöne Stadt. Wie Jena am Wasser - nur etwas größer und schöner.
- Das Wetter ist gutmütig und gestattet einen überwältigenden Blick auf die ehemalige Hansestadt am Wasser.
- Der Niva freut sich über einen Ruhetag.
- Bei Regen sind wir noch ins Aquarium - war irgendwie deprimierend, indirekt proportional zum Ausblick davor.
- Das Dinner im 400 Jahre altem Weinkeller war lecker - nur haben wir keinen Wein getrunken.

- Ausschlafen für die lange Strecke morgen.



Samstag, Tag 7, Durch Fjord & Fjell an den Nabel der Welt [km 1581]
- 375 km heute. Entspanntes Reisen.
- Raser werden einfach vorbei gelassen (die vielen Bushaltestellen eignen sich hervorragend dafür).
- Heute mal die Hupe getestet. Sie funktioniert - die Schafe auf der Weide sind ganz aufgeregt weggerannt. Auweia!

- Der Niva rollt ohne Mucken. Durch das langsame Cruisen geht der Verbrauch von 10 auf 8 Liter runter.
- Wow, ist Norwegen schön. Ein bisschen kommen wir uns vor, wie auf dem Weg nach Mittelerde.


- Heute endlich mal die Nebelscheinwerfer gebraucht (und dann auch vergessen - Kontrollleuchte gibt’s nicht
). - Cool, dass das Wetter nach endlos langen Tunneln am Ende komplett anders ist, als am Eingang.
- Also Picknick im Freien, direkt am Wasser gemacht. Lecker und schön.
- Schnee! Die Gipfel sind weiß. Weiter hoch und runter.
- Nicht alle Fjords überqueren wir mit der Fähre (wie heute den Sognje Fjord), andere müssen wir auf schönen Straßen umfahren, teilweise auch auf Pisten ohne Platz für zwei Fahrspuren. Also aufpassen!
- Die Auffahrt zum Dalsnibba ist leider schon gesperrt. Macht nix, liegt heute sowieso im Nebel.
- Wow, der Ausblick auf den Geiranger Fjord ist überwältigend.
- Müde und glücklich geht’s ins Panorama-Blick-Bett.



Sonntag, Tag 8, Geiranger [km 1581]
- Der Geiranger Fjord ist zwar die ultimative Touri-Attraktion (UNESCO Weltnaturerbe.) - aber nicht ohne Grund.
- Eine Tour mit der Autofähre bis nach Hellesylt und zurück gibt unvergessliche Eindrücke, die auf Fotos nicht halb so imposant wirken wie in echt.
- Also einfach die Urgewalten sehen und genießen, bei frischer Luft - und ohne Telezoom-Objektiv (das war durch die Nacht im Auto leider komplett beschlagen).
- Den Wanderausflug haben wir wegen Regens nach einer kurzen Niva 4x4 Tour abgebrochen.
- Das Hotel ist der Hammer, wir haben ein Zimmer mit 3D-Ausblick auf den Fjord.
- Im hauseigenen Schwimmbad brennt ein offenes Kaminfeuer. Also ab ins Wasser! Anschließend im Außenpool - unter freiem Himmel und bei Regen den Rücken vom Massagestrahl entspannt.

- Aufgetankt!


Montag, Tag 9, Tag der Wunder - der Weg nach Kristiansund [km 1804]
- Noch mal am Morgen den Ausblick auf den Geiranger Fjord genießen.
- Tom: „Wäre das schön, wenn jetzt ein Kreuzfahrtschiff um die Ecke biegt“. Wow, da kommt eins!

- Wir halten an auf der Serpentinenstraße, dem Adlerweg, um das Schiff im Fjord zu bewundern.
- „Ah, Niwa“ höre ich von der Seite. Ein Russe im Subaru bewundert mein Auto und teilt uns in gebrochenem Englisch, dass er selbst „so einen“ hat. Ich sage, dass der auch ein gutes Reiseauto ist, aber er bestätigt „nur mit Servo!“

- Also weiter die Berge hoch und runter - und nochmal über eine Fähre - Klasse.
- Dank Toms Navigation ignorieren wir das Garmin und fahren eine unvergesslich-schöne Alternativroute.
- Der Trollstigsvegen liegt vor uns.
- Bis dahin ein bombastisches Hochland, spiegelnde Straßen und kaum andere Autos - ein Vorteil der Nachsaison.


- Der Abstieg auf den Trollstigen ist unglaublich. Wie auf einer Modelleisenbahnplatte zu einem Land vor unserer Zeit.
- Die Serpentinen machen trotz 10...14% Gefälle unglaublichen Spaß. Der Ausblick lähmt fast.


- Das Tal sieht merkwürdig urzeitlich aus. - Wow, ist das ein Regenbogen. Wir frohlocken.
- Eine Reise der Superlative. Nach einem Picknick auf der geraden Lada-Motorhaube geht’s weiter...



- ... zum eigentlichen Ziel unserer Reise, dem Atlanterhavsvegen.
- Geil, eine Designer-Spielzeugstraße über Schären-Inseln des Atlantik. Einfach umwerfend.
- Niva-Fahren macht hier einfach doppelt Spaß: Fahrgefühl + Panoramablick.



- Das wäre eigentlich kaum noch zu überbieten, aber der Ausblick aus dem Fenster unseres hässlichen Hotels in Kristiansund ist fantastisch. Eine Stadt auf mehreren Inseln verteilt und kleine Fähren für Fußgänger von Insel zu Insel. Niedlich, oder imposant?
- Was für ein Tag. Beim zweiten Mal wird es wohl nie wieder so beeindruckend?!


Dienstag, Tag 10, Auf dem Peer Gynt Vegen - nach Lillehammer [km 2220]
- Highlight des Tages ist zweifelsohne der Peer Gynt Vegen, der uns über eine 60 km lange Schotterpiste führt.
- Steinschlagschäden sind die einzige Nebenwirkung dieser fantastischen Reise durch das schöne Hochland.


- Die 360° Aussicht über eine herrlich farbige Heidelandschaft bis zu den schneebedeckten Gipfeln der umliegenden Gebirge ist wunderschön.
- Die Reise war schön, aber die Nacht in Lillehammer war kalt.


Mittwoch, Tag 11, Zurück zum Ausgangspunkt - Oslo [km 2412]
- Die Reise verläuft ohne Probleme. Zeit für eine Autowäsche mit Pölser.

- Der Ausflug in den Vigelandsparken lohnt sich. Interessante Figuren die den Lauf des Lebens zeigen.
- Trotzdem die teilweise sozialistisch anmutende Architektur Oslos ist schon merkwürdig.
- Oslo ist übrigens nichts für ungeübte Stadt-Auto-Fahrer. Ungerade Straßenzüge mit Trams und Einbahnstraßen sorgen für Unübersichtlichkeit (Hauptsache noch irgendwie ‘nen Kreisverkehr reinzirkeln.

- Die neue Oper am Wasser ist eine architektonische Meisterleistung - und begehbar.
- Abendessen beim Italiener. Die Bedienung, eine netten Polin, erkennt uns als Deutsche anhand unseres Getränkewunsches (Tonic Water).
- Jetzt heißt es langsam Abschied nehmen.


Donnerstag, Tag 12, Oslo und Fähre [km 2438]
- Der Ausflug zum Holmenkolmen führt uns erneut über Schotterpisten (anders als in Deutschland scheint es hier normal zu sein, manchmal direkt über eine Baustelle gelotst zu werden
). - Interessantes Bauwerk, aber leider keine Aussicht dank Wetter und Baustellen.
- Dann wieder auf die große Fähre, den Heimweg antreten.
- Ein schöner und langsamer Abschied mit weitem Ausblick auf das beschäftigte und heute vernieselte Oslo.
- Bis jetzt hat der Niva Klasse durchgehalten. Nur die laute Motorresonanz machte uns manchmal Sorgen.
- Der Benzinverbrauch des Ladas liegt bei niedrigen 8...10 l/100 km. Der Ölverbrauch ist minimal.
- Der Abend auf der Fähre war irgendwie skurril. Unser Niva steht vorne im Schiff und gleichzeitig sehen wir uns ein paar Meter weiter eine Musical-Show in einem großen Theater an. Und das alles mitten auf der Nordsee irgendwo im nirgendwo bei tiefschwarzer Nacht und leichtem Seegang.
- Wie dekadent!


Freitag, Tag 13, Heimfahrt nach Berlin [km 2789]
- Mann, ist das langweilig: Autobahnfahren ohne Kurven, ohne Berge (aber dafür mit lauter Dränglern).
- Wir freuen uns auf unsere harten Matratzen.
- Nach insgesamt knapp 2800 (pannenfreien) Kilometern im Lada durch Norwegen, sind nun auch Tom und der Niva "Freunde geworden". Wir haben uns mit der großen Tour in 2 Wochen zwar eher abgelenkt, als erholt, aber es hat richtig gut getan.
- Fazit: Es war wunderschön, Land und Leute zu genießen. Wir haben das Autowandern genutzt, um die imposante Natur zu erkunden, den Akku nachzuladen und mal wieder der Nichtigkeit der eigenen Wichtigkeit bewusst zu werden.

Nachtrag (2012):
- Nach einem Jahr hatte ich übrigens auch die Ursache für das laute Motorgeräusch gefunden: Natürlich war es die Klimaanlage: Die hintere Halterung des Kompressors war komplett abgerissen, so dass das schwere Teil am Motorblock schepperte...
- Bestimmt kommen wir wieder! Mal sehen - das nächste Mal vielleicht im Shiguli?!

Fisch
