Ich glaube, ein Teil der Diskussion über die Möglichkeiten, einen Reserveradhalter am Heck des Niva anzubringen, passt besser hierher als in die
Diskussion unter der Rubrik "Smalltalk", zumal einige Antworten zur simplen Frage, ob es einen zulassungsfähigen Heck-Halter gibt, das Thema schon sehr ausweiten. Interessanterweise wurde die Frage von einer Niva-Neubesitzer
in gestellt... Das ist
mein Ausgangspunkt für eine Diskussion
hier:
Mischa hat geschrieben:poseidon-tom hat geschrieben:...und ja, ein Reserverad am Heck sieht einfach geil aus...(meiner Meinung nach)
Ich versuche mir gerade eine pubertierende Nivanerin vorzustellen, die "geil"

aussieht und auch entsprechend "angeregt" wird, als sie auf dem Buckel eines Nivaners ein Reserverad hervorstehen sieht...
poseidon-tom hat geschrieben:Hallo,
über ein Ersatzrad an der Heckklappe habe ich schon öfters nach gedacht (aus ästhetischen Gründen) ...
"Optische" Gründe mögen es wohl sein, aber auch
"Ästhetische"? Abgesehen von den bekanntlich nicht objkektiv beurteilbaren
"Geschmacksachen" stelle ich wie viele Designer auch an die Ästhetik besondere Ansprüche. Neben der gefälligen, eleganten Form vereinigt eine ästhetische Lösung das äußerliche Design mit einer ebenso gefälligen und anspruchsvollen inneren Funktionalität.
Beim Niva konnte man in den Siebziger Jahren und kann bis heute noch sagen, dass die Form eines in klarer, schnörkelloser Linie gezeichneten Kleinwagens der Kompaktklasse wunderbar harmoniert mit seinen für ein solches Fahrzeugkonzept außergewöhnlichen Funktionalität: Hervorragende Schlechtwegequalitäten in jeder Klimazone, sehr gute Geländeeigenschaften und auch noch guter Straßenkomfort.
Die russischen Konstrukteure wollten damals offenbar bewusst keinen Jeep-Abklatsch oder einen anderen GAZ 69 oder auch nur UAZ auf die permanent 4x4 angetriebenen Räder stellen, an dem Reserveräder, Zusatzkanister, Schaufeln und Hacken sowie Lichterbäume herausragen. Wer einen solchen kleinen Schlachtenbummler als zivile Militärfahrzeugvariante aus Liebhaberei mit "Geil-Funktion" haben will, baut sich eben so ein Hybrid, wenn er nicht zu Mahindra, Iltis, Kübel, Ur-Jeep, GAZ usw. greifen will.
Das Ganze hat aber nichts mit Ästhetik und schon gar nicht mit einer sinnvollen Funktionalität zu tun. Ersatzräder am Heck montiert, auf der Motorhaube oder mit erhöhtem Schwerpunkt auf einem ganzjährig mitgeführten "Dachgarten" sind absolut unpraktisch und die hier abgebildeten Heckträgervarianten - ob auf der AHK oder an der Stoßstange zu montieren - sind sogar in meinen Augen abstoßend hässlich. Dass der TÜV dazu seinen Segen nicht geben mag, hat darüber hinaus sicherheitsrelevante Gründe.
Solche Sicherheitsaspekte, auch wenn sie möglicherweise gelegentlich an den Haaren herbeigezogen werden, könnten auch dem genial einfachen, funktionalen und die Gesamtästhetik nicht störenden Einfall, ein Ersatzrad unter der Motorhaube zu platzieren, langfristig den Garaus machen, weil befürchtet wird, dass das Rad unter der Haube beim Frontalcrash zu weit in die Fahrgastzelle geschoben werden könnte. Doch moderne Sicherheitstechnik ist in der Konstruktion der siebziger Jahre eben noch nicht vorhanden - das ist jedoch ein anderes Thema. Allerdings wird der Niva mit einem Rad am Heck oder gar auf dem Dach nicht sicherer.
Mischa
Ich möchte keine grundsätzliche und vor allem keine dogmatische Ästhetik-Diskussion führen, obwohl ich schon meine, dass der Niva so, wie er gezeichnet wurde und gebaut wird, funktional und unter Design-Aspekten gut gelungen ist und keiner Anbauten bedarf, um noch besser zu funktionieren oder "stylischer" zu sein. Ich habe eher den Eindruck, dass die meisten Anbauten die Funktion sehr wohl nachteilig beeinflussen können und nicht unbedingt "besser" aussehen.
Wenn man natürlich das ultimative Expeditionsfahrzeug oder ein Wettbewerbsauto für extremes Gelände konzipieren will und insbesondere bei der ersten Bestimmung unbedingt auf den Niva als Basisfahrzeug zurück greifen will, was nicht unbedingt die einzig mögliche logische Wahl bei den begrenzten Platzverhältnissen ist, kann so ein Fahrzeug durchaus wie bei Tsolias in
"Stelios Niva" aussehen und ich unterstelle Tsolias mal, dass er mit seinem Gefährt die griechische Karstlandschaft unsicher machen will und nicht nur die unter der Schuldenlast bröckelnde Metropole Athen.
Ansonsten denke ich mir oft bei Veränderungen des kleinen Lada Niva, die ihn höher, breiter, länger und martialischer mit all seinen Anbauten aussehen lassen sollen, dass dessen Besitzer bei anderen Betrachtern den Eindruck auslösen wollen, sie führen einen richtigen, großen, "männlichen" Geländewagen, kein Spielzeug, sondern ein richtiger "Rambo" (-lino) für's Grobe. Es ist so, als wollten sie sich durch die erstaunten Betrachter selbst von einer inneren Qualität des Niva überzeugen, die eigentlich für den echten Kenner außer Zweifel steht: Ja, mit dem Niva kann man so, wie er ist, wirklich in's Gelände!
Man kann nicht mehr Gelände fahren, indem man verchromte Bullbars vorn und hinten montiert, Trittbretter, Dachgepäckträger mit sichtbaren Kanistern und Ersatzrädern, Heckträger für ein weiteres Rad und breitere Alufelgen. Es gibt einige wenige sinnvolle Details für das härtere Geländegeschäft, die den Unterfahrschutz verbessern, dazu dann auch notwendigerweise durch Höherlegung die "Bauchfreiheit" erhöhen, die Elektrik vor Feuchtigkeit schützen, den Motor vor Wasserschlag mittels eines Schnorchels und natürlich eine Winde für die Bergung.
Alles andere ist in meinen Augen mehr oder weniger Sprit fressende, das Gewicht erhöhende und den Schwerpunkt verändernde Macho-Zierde für ein Ego, das eigentlich gar nicht in einen Niva passt und Understatement nicht verträgt, sondern sich eher wahlweise in einem Hummer oder in einem Cayenne wohler fühlen würde. Das heißt nicht, dass man kein "Macho-lino" sein soll und das moralisch zu bewerten wäre, wenn "mann" oder "frau" sowas "geil" findet. Doch Argumente von Ästhetik bis Funktionalität halte ich wirklich für vorgeschoben. Für viel Geld kann man eben allerlei Unnützes und Blinkendes auch an einen Niva dranschrauben.
Mischa