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Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 22. April 2011, 11:57
von Timo
Hallo zusammen,

hier mal mein Bericht vom Radialwellendichtringwechsel (RWDRW .,. ) am HA-Diff.
Beim nächsten Mal würde ich es anders machen, deswegen ist dieser Bericht nicht unbedingt als „how-to-do“ zu verstehen.


Wagen warmfahren (Getriebeöl im HA-Diff) und Öl ablassen.
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Ablassschraube wieder rein, und auf die Auffahrrampen fahren (diese sollten nicht unbedingt
In 5km Entfernung stehen...).


Diffgehäuse, Flansch und Kardanwelle farblich markieren.
Die 4 Schrauben (SW13) lösen und entfernen (Hinweis: Schraubenköpfe sind mit Fläche versehen, sie passen nur an einer Stelle an den Flansch).
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Kardanwelle entfernen. Ich habe sie am Auspuff festgemacht. Man kann sie natürlich bei entsprechender Stellung des Gelenks Richtung VTG auf den Boden Absenken oder auch ganz ausbauen (dann Markierung auf VTG-Seite nicht vergessen).
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Gweinde, Mutter und Flansch farblich markieren (sehr wichtig !).
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Mutter lösen (normales Rechtsgewinde, SW24).
Es bietet sich an mit einer mächtigen Gripzange am Flansch gegenzuhalten. Alternativ auch die in http://www.autoprospect.ru gezeigt Variante: 2 Schrauben durch die Bohrungen am Flansch und mit Flacheisen/Schraubendreher gegenhalten. Vielleicht habt ihr auch einen Stirnlochschlüssel (oder bastelt euch einen).
Sinn und Zweck: Die An-/Abzugsmomente gehen nicht auf die Verzahnung im Diff.
Ich werde das als vorsichtiger Mensch nächstes mal so machen.
Olaf Vogel meint, daß dies aber nicht tragisch sei.

Dabei ist es unabdingbar die Umdrehungen bis zum Lösen/Abnehmen der Schraube zu zählen !!!!
Zahl merken oder aufschreiben.


Mutter beiseite legen, Unterlegscheibe ebenfalls.
Flansch abziehen (geht ganz einfach. Bei mir von Hand ohne Hammer).
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Dann kamen die „Probleme“: Der Dichtring ging nicht "mal eben so" raus. Hebeln mit dem Schraubenzieher brachte nix.
Ja, wer nen passenden Innenabzieher mit Gleithammer hat ist gut bedient.
Der Ring war am Außendurchmesser an der Fuge eingeklebt (aushärtende Dichtmasse).
Ein Versuch den Ring an 2 Stellen mit dem Seitenschneider einzuschneiden und die Lasche mit der Gripzange zu schnappen funktionierte nur bedingt.
Ich musste letztendlich als Notbehelf mit einem ganz schmalen Schraubenzieher zw. Ring und Gehäuse reinklopfen, wohlwissend, daß das Risiko bestand das Gehäuse (Dichtfläche !) zu beschädigen.
Es hat aber gut funktioniert. Und Kratzer auf den ersten 2mm der Dichtfläche halte ich nicht für tragisch.
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Also, Ring weg, und den nachfolgenden sog. Ölabweiser (= Blechscheibe) auch gleich mal ausgebaut.
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Gehäusedichtfläche reinigen.
Den restlichen Klebstoff habe ich mit ganz feiner Schmirgelleinwand entfernt (drauf achten, daß kein Dreck ins Lager purzelt).

Ölabweiser wieder rein und Dichtring ansetzen. Mit entsprechend großer Hülse auf den Blechring des Rings klopfen und diesen möglichst rechtwinklig eintreiben.
Es genügt so weit einzuklopfen bis der Ring bündig zur Gehäusestirnfläche ist (lt. Werkstatthandbuch sind es 2 –0.3 mm).

Flansch reinigen, leicht einölen und vorsichtig (Staublippe Dichtring !) einschieben (nach farblicher Markierung vom Anfang).

Unterlegscheibe drauf und Mutter ansetzen. Mit exakt gleicher Umdrehungsanzahl wie beim Abschrauben anziehen bis Markierung Mutter über Markierung Flansch steht. Noch „1mm“ weiterdrehen (also, ich meine "1mm radial")
Auch hier gegenhalten.
(Anmerkung: Ich habe keinen Milimeter zugegeben, sondern nur bis zur vorherigen Stellung gedreht. Warum ? Es kam mir alles schon so fest vor.....)

Stirnfläche Flansch nach Wunsch gegen Korrosion schützen und Kardanwelle anschrauben.

Getriebeöl einfüllen.
Gesamtdauer: Knapp 3h.

Meine Probefahrt (500m) war unauffällig.
Über Nacht am Diff alles trocken.
Am nächsten Tag Probefahrt bis Diff ordentlich warm: Keine Geräusche, kein Öl.

Ich werde mir für den nächsten Dichtring einen Innanabzieher mit Gleithammer besorgen.
Das Drama mit dem Rauspopeln mach ich nicht noch mal mit.
Ob die Haken am Innenabzieher für das Blech am Dichtring lang genaug sind, weiß ich nicht. Vielleicht bastle ich mir was, womit man noch besser greifen kann.


Bitte um Ergänzungen/Verbessehrungen/Kommentare !


Timo

Dies ist zwar schon an anderer Stelle beschrieben, aber hier sollte man sicherheitshalber nochmals drauf hinweisen:
Der Flansch drückt über das Anzugsmoment der Mutter auf den Innenring des ersten Schrägrollenlagers. Dieser Innenring drückt auf eine verformbare Abstandshülse, welche auf den Innenring des zweiten Lagers drückt. Zieht man nun die Mutter zu stark an, werden die Lager zu sehr vorgespannt und auch die Eingriffsgeometrie am Antriebsrad im Diff verändert !

PS: Danke an Christian und Olfa für die Infos im Vorfeld und die Nachsorge meines Traumas .,.

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 22. April 2011, 12:39
von Leitwolf
Ich spar mir Abzieher und Popelei, indem ich Spaxschrauben in den alten Dichtring drehe.
Daran kann man dann wunderbar mit einer Zange greifen.
Wurde, glaub ich, auch schon mal erwähnt. Weis blos nicht mehr wo.
Gruß
Leitwolf

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 22. April 2011, 14:47
von Fanto
Toller Bericht, danke.

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 22. April 2011, 14:59
von Timo
Halloho,

oops - habe gerade noch ein BIld eingefügt... hatte ich ganz vergessen.

@Leitwolf:
Auch ne Idee ! Aber ich wollte mich nicht drauf verlassen müssen, daß das immer funktioniert.

@t-34
Du machst die alte Spannfeder um die äußere Dichtlippe - hab ich das korrekt verstanden ?

timo

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 22. April 2011, 18:39
von Timo
Jetzt kapiert !

Du erhoffst (oder hast) Dir damit eine bessere Dichtwirkung.

timo

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 22. April 2011, 21:11
von Funix
Danke ich für diese ganzen Infos und speziell Timo für deinen Bericht!
Die operation steht bei mir demnächst auch an und wird mir nun um einiges leichter fallen (auch aufgrund vom besorgen des nötigen werkzeuges).

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 23. April 2011, 19:59
von hwacw2
...ich habe das ganze auch gerade mit den Wellendichtringen an den Kardanwellenflanschen zum Verteilergetriebe hin erledigt. Da ist das fest schrauben weniger kritisch, der Rest gleich.

Ich war auch verwundert, dass die Russen die Teile so "toll" einkleben, aber so zerstümmeln muss nicht sein. Ich habe dem Gehäusesitz mit dem Heißluftgebläse kräftig eingeheizt...und plöpp. Das war es. Darf man mal fragen was du 3 h unter dem Auto gemacht hast????


Und ob das Eintreiben eines Schraubendreher an einer Dichtfläche unkritisch ist, wird die Zeit zeigen.

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 24. April 2011, 12:59
von Timo
Maaahlzeit,

>Darf man mal fragen was du 3 h unter dem Auto gemacht hast????

Aber natürlich darf man !
Wenn die Frage so zu verstehen ist, wie sie da steht, ist die Antwort:
Den Dichtring gewechselt.

Solltest Du aber - wie ich vermute - meinen, warum ich für diese einfache Arbeit so lange gebraucht habe, ist die Antwort:
Ich habe den Dichtring gewechselt. Aufgrund meines Herangehens an diese Arbeit (liegt in meiner Persönlichkeit/meinem Charakter bedingt) brauche ich (deutlich) länger als "normale" Schrauber dazu.Grüßle vom

Timo

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 27. April 2011, 20:13
von Sajaz
Danke Super Beitrag, wäre was für Wiki. Seit dem ich meinen neuen Simmerring da liegen habe, ist das Diff trocken pl.. . Ich hatte als erstes das Entlüftungsventil geprüft, da dieses in Ordnung war, habe ich 40 ml LecWec eingefüllt nach gut 1000 km ist jetzt kein Tropfenbildung mehr zu sehen. Keine Angst Ölstand ist o.k.

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 28. April 2011, 08:44
von christian@nivatechnik.de
LecWec ist wirklich top! Nehm ich auch immer. Erst wenn das nicht mehr geht, dann wird der Ring neu gemacht!

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 28. April 2011, 12:43
von Mono
Also man kann dieses LecWec ohne Probleme einfach dem Getriebe und Motoröl hinzufügen? Also auch als Vorbeugung?

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 28. April 2011, 15:02
von Sajaz
christian@lada-welt.de hat geschrieben:...Nehm ich auch immer...
Der Tipp war ja auch von Dir.
Mono hat geschrieben:Also man kann dieses LecWec ohne Probleme einfach dem Getriebe und Motoröl hinzufügen? Also auch als Vorbeugung?
Ja, bei Ölverlust: 3% der Gesamtölmenge, als Vorbeugung nur 1,5 %. Habe ich aber nur beim Ölverlust an der HA gemacht, da das Zeug sauteuer ist.
http://www.lecwec.de/FAQ-de.html

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 22. Oktober 2011, 13:38
von Timo
Alte Brühe aufgewärmt:

HA immer noch dicht .,.

Im April wollte ich auch gleich Dichtring VTG-Ausgang zur VA machen.
Dieser wurde schonmal auf Garantie gemacht (will nicht zuviel sagen: In Auftrag gegeben.).
Der Ausgang war aber nach kurzer Zeit schon wieder feucht.

Also Öl ausm VTG, Welle ab, und mit 100 Nm aufgeschraubt. Ging nicht.
150Nm ging nicht.
Mit aller Gewalt. Ging auch nicht.

Öl wieder rein, Welle wieder dran.
Einige Tage später Schlagschrauber ausgeliehen. Welle ab (Öl dringelassen. Bin ja lernfähig !).
Mit meinem kleinen Kompressor Schlag-Schraub-Schlag-Schraub-Schlag-Schraub. Nix.
Welle wieder dran.

Diesen Freitag hatte der örtliche Schrauber mit dem g´scheiten Kompressor Zeit und ich bin mit 2WD (Welle hatte ich daheim schon komplett abgebaut) angerauscht.
Auf die Bühne, und in meinem Hirn waren schon Bilder von Lötbrennern, Bohrern und Handgranaten, einmal geschlagschraubt und fertig. Geil !

Gemütlich am Sa. früh ohne Öl ablassen (auf Auffahrrampen vorne) bei ca. 0°C den Dichtring gewechselt (es kam kein Tropfen Öl).

Was sehe ich da ? Der verbaute Dichtring war der 2121-23er (siehe Teilenummer) - für die umgekehrte Drehrichtung !
Entweder Werkstatt falschen eingebaut oder garnix gemacht und ab Werk falsch. Toll !

Jetzt jedenfalls ist der Richtige drin.

Timo

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 27. November 2011, 12:58
von Funix
Hallo Timo,

heute hab ich mich getraut! sieht soweit alles ganz gut aus, nur bekomme ich den neuen wdr nicht rein. hab schon mit heißluftpistole versucht, aber immer verkantet das ding. nun frier ich erstmal den wdr ein und versuches es dann nochmal.
falls es noch andere tipps gibt, nur her damit!

Re: Wellendichtring HA-Diff

Verfasst: 27. November 2011, 14:17
von Dieter K.
Funix hat geschrieben:Hallo Timo,

heute hab ich mich getraut! sieht soweit alles ganz gut aus, nur bekomme ich den neuen wdr nicht rein. hab schon mit heißluftpistole versucht, aber immer verkantet das ding. nun frier ich erstmal den wdr ein und versuches es dann nochmal.
falls es noch andere tipps gibt, nur her damit!
Tipp habe ich leider keinen, aber er müßte eigentlich rel. leicht reingehen. Hast Du den richtigen Simmering? Gibt es bei diesen vielleicht größere Toleranzen (kann ich mir aber eigentlich nicht vorstellen)?